Einmal aufatmen!

Kurhotel Heilstollen Oberzeiring

Kornelia Laurin

Als alleinerziehende Mutter eines Kindes mit Behinderung hat man es nicht leicht. Die Herausforderung ist, die Pflege und Förderung meines Sohnes Sebastian mit meiner Berufstätigkeit unter einen Hut zu bringen. Eine Doppelbelastung, die für mich jedoch nötig ist, um nicht finanziell auf der Strecke zu bleiben. Regelmäßige Auszeiten sind in den letzten 13 Jahren ein frommer Wunsch geblieben, nicht zuletzt durch die Sprachlosigkeit meines Sohnes. Er weiß sich nicht anders auszudrücken, als durch lautstarkes Schreien, wenn etwas nicht seinen Erwartungen entspricht. Man kann sich vorstellen, dass so ein Verhalten, so manchen Betreuer und auch die ihn im Moment umgebenden Menschen, oft an den Rand ihrer Toleranz bringt. Als ich jedoch von dem Angebot einer Eltern- Kind- Kur, speziell für pflegende Eltern mit beeinträchtigten Kindern las, folgte ich einem Impuls und meldete mich kurzerhand für das 14 Tage Angebot im Kurhotel „Heilstollen Oberzeiring“ in der Steiermark an. Erst als die Bewilligung eintraf fing ich an meinen Schritt zu hinterfragen. Wie wird sich Sebastian den ruhesuchenden Kurgästen präsentieren? Werden wir schon am 2. Tag wegen unmäßiger Lärmbelästigung aus dem Kurbetrieb verwiesen? Wie werden die eigens für unsere Kinder abgestellten Betreuerinnen mit einer Herausforderung wie Sebastian zurechtkommen? Freundlich lachend wurden meine Bedenken bei einer telefonischen Anfrage an der Rezeption relativiert. Und so entschloss ich mich, es einfach zu riskieren und einmal etwas ganz Neues zu probieren. Und siehe da, dieses spezielle Angebot, dass die SVA vor etwa 4 Jahren als Projekt initiierte und nun in den Regelbetrieb übergeführt hat, erwies sich für unsere spezifische und schwierige Lebenssituation als ideal. Die Zimmer im Kurhotel „Heilstollen Oberzeiring“ sind geräumig und komfortabel, das medizinisch - therapeutische aber auch das Service -Personal ist freundlich, einfühlsam und verständnisvoll und das Essen von so hoher Qualität , dass selbst der empfindliche Darm meines Sohnes nichts daran auszusetzen hatte. Die Therapien waren für mich sanft begleitend und nicht überfordernd und auch Sebastian hat seine Inhalationen und seine Klopfmassagen harmonisch brummelnd genossen. Das Beste jedoch waren die Mädels aus dem Kinderbetreuer Team. Katharina, Heidi, Nicole und Celina begannen ihren Tag, indem sie mit uns Eltern frühstückten. Aufmerksam horchten sie heraus, wann, wer, wo Therapie hatte und deshalb eine Kinderbetreuung benötigte. Stets waren sie unterstützend zur Stelle wenn ein Wunsch geäußert wurde. Sie legten jedem Kind gemäß eine natürliche Einfühlsamkeit an den Tag, die in den Eltern das Vertrauen stärkte, dass es ok ist, die Kinder einfach eine Zeitlang abzugeben. Im Falle von Sebastian bedeutete es die Geduld aufzubringen Treppauf -Treppab mit ihm das Hotel zu durchstreifen, sämtliche Lifte durch zu probieren, viele Male das T Shirt und die Schuhe an und auszuziehen und jeden Tag eine Einkaufsrunde zum Spar zu machen, um Sebastians Lieblingswurst zu kaufen. Darüberhinaus wurden kleine Ausflüge mit den Kindern organisiert, damit die Eltern auch mal einen freien Nachmittag genießen konnten. Schon nach wenigen Tagen waren alle ein eingespieltes Team und meine Nervosität legte sich zusehends. Ich begann mich zu entspannen und zu genießen. Nach 14 Tagen fühlte ich mich dann zum ersten Mal in 13 Jahren wirklich erholt und das mit Kind! Aus meiner Sicht ein perfektes Angebot, genau zugeschnitten auf die Bedürfnisse von Eltern, die mit ihren Kindern nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Heuer profitierten 18 Familien von diese Eltern Kind Kur der SVA! Kornelia Laurin ist freie ORF Fernsehredakteurin und betroffene Mutter!